Drei Dokumente, die alle "der Drehplan" heißen
Wenn im Büro jemand nach dem Drehplan fragt, kann eines von drei Dokumenten gemeint sein, und alle drei entstehen aus demselben Board.
Der ausführliche Drehplan geht Tag für Tag in Drehreihenfolge vor. Unter jeder Szene stehen die Darsteller mit Nummer, die Zahl der Komparsen, Requisiten, Kostümhinweise, Fahrzeuge, Sonderausrüstung und alles andere, was eine Abteilung bereithalten muss. Bei einem Spielfilm kommt er leicht auf 30 oder 40 Seiten und wird meist bei der letzten Produktionsbesprechung verteilt, damit jede Abteilung ihre eigenen Zeilen prüfen kann.
Der One-Line enthält dieselben Szenen in derselben Reihenfolge mit je einer Zeile: Szenennummer, Set, Tag oder Nacht, Seitenlänge und Rollennummern. Den haben die Leute in der Gesäßtasche. Als farbige Streifen auf einer Tafel dargestellt, ist er ein Stripboard.
Das Day out of Days dreht den Plan um neunzig Grad. Links stehen die Darsteller, oben die Drehtage, und jede Zelle sagt, ob diese Person anfängt, dreht, gehalten wird oder fertig ist. Daran sehen Casting und Filmgeschäftsführung, was der Plan an Darstellertagen kostet.
Bau das Board sorgfältig, dann ergeben sich die anderen beiden Dokumente daraus. Deshalb dreht sich der größte Teil dieses Leitfadens um das Board.
Was du brauchst, bevor der erste Streifen liegt
Ein Drehplan ist nur so gut wie die Informationen dahinter. Bevor du Szenen verschiebst, sollte das hier schriftlich vorliegen.
Ein fertiger Drehbuchauszug. Jede Szene braucht Nummer, INT oder EXT, Setnamen, Tag oder Nacht, Seitenlänge in Achteln, Darsteller, Komparsen und besondere Elemente. Steht im Auszug, dass Szene 38 zwei Leute in einer Küche sind, und in Wahrheit gibt es einen Hund und echtes Feuer auf dem Herd, ist der Tag, auf dem die Szene landet, schon falsch geplant.
Seitenlängen, denen du traust. Sie bestimmen, wie viel an einen Tag kommt, also miss sie ordentlich. Der Leitfaden zu Seitenlängen erklärt die Achtel.
Verfügbarkeit der Besetzung. Welche Darsteller haben feste Zeitfenster? Ein bekannter Name, der 8 Tage am Stück kann, ein Kind, das nur zu bestimmten Stunden arbeiten darf, eine Nebenrolle, die in Woche zwei ein anderes Projekt dreht. Das sind Fixpunkte, um die du herumbaust.
Verfügbarkeit der Motive. Das Restaurant, das nur montags und dienstags frei ist, die Schule, die du am Wochenende bekommst, das Haus, dessen Besitzer im Oktober zehn Tage verreist sind. Zeitfenster von Drehgenehmigungen gehören auch dazu.
Die Zahl der Tage, die du dir leisten kannst. Die Kalkulation gibt eine Drehdauer vor. Das Board sagt dir, ob das Drehbuch hineinpasst.
Tageslicht. Für Außenszenen schaust du Sonnenaufgang, Sonnenuntergang und bürgerliche Dämmerung für Ort und Datum nach. Der Sonnenstandsplaner liefert die Zeiten, damit keine Dämmerungsszene erst nach Einbruch der Dunkelheit geplant ist.
Einen Drehplan Schritt für Schritt erstellen
Die Schritte folgen der Reihenfolge, in der die meisten Regieassistenzen arbeiten. Du gehst sie mehrmals durch, bevor das Board steht.
1. Jede Szene auf einen Streifen
Eine Szene, ein Streifen, mit Set, INT oder EXT, Tag oder Nacht, Seiten und Rollennummern. Übernimm die Szenennummern genau wie im Drehbuch, auch Szenen mit Buchstaben wie 42A. Die Rollen werden nach Bedeutung oder Zahl der Szenen nummeriert, und diese Nummern bleiben für den Rest der Produktion auf jedem Dokument gleich.
Prüf vorher, ob die Streifen zusammen das Drehbuch ergeben. Hat das Buch 92 4/8 Seiten, müssen die Streifen zusammen 92 4/8 ergeben. Fehlt etwas, fehlt eine Szene.
2. Kalender und Länge des Drehtags festlegen
Leg die Drehtermine fest, die freien Tage und die Länge eines Drehtags. In einen 12-Stunden-Tag passt deutlich mehr Arbeit als in einen 10-Stunden-Tag. Markier Feiertage und drehfreie Tage als Hinweisstreifen, damit sie sichtbar sind.
3. Die Fixpunkte setzen
Fang mit dem an, was sich nicht bewegen lässt. Hat die Agentur deiner Hauptdarstellerin gesagt, dass sie nur von Tag 1 bis Tag 9 kann, muss jede ihrer Szenen in diese neun Tage. Ist das Diner nur an den Tagen 4 und 5 frei, kommen seine Szenen dorthin. Feste Genehmigungstermine, ein geliehener Kran, ein Fluss, der nur in einer Woche den richtigen Pegel hat: All das wird zuerst gesetzt.
4. Nach Motiv gruppieren, dann nach Besetzung
Leg alle Szenen am selben Motiv zusammen, damit ihr dort einmal aufbaut und einmal abbaut. Jeder Umzug kostet Zeit, die sonst Drehzeit wäre, also vermeide nach Möglichkeit mehr als einen pro Tag. Ein Umzug kann ein paar Straßen weit gehen oder eine Stunde Fahrt bedeuten, in beiden Fällen müssen die Lkw packen, fahren, parken und ausladen.
Innerhalb jedes Motivblocks ordnest du die Szenen so, dass die Arbeit jeder Person möglichst zusammenhängend ist. Wer an Tag 2 und dann an Tag 9 dreht, steht meist auch für die Tage dazwischen auf der Gagenliste.
5. Tag und Nacht trennen
Halte Nachtdrehs zusammen. Wer das Team von Tag auf Nacht und wieder zurück umstellt, hat müde Leute und Ärger mit den Ruhezeiten. Üblich ist, eine Reihe von Nächten ans Ende einer Woche zu legen, damit das Wochenende den Schlafrhythmus wieder zurechtrückt.
Innerhalb eines Tages ordnest du die Szenen so, dass das Licht passt. Eine EXT.-TAG-Szene, die Sonne braucht, kommt vor eine Reihe von Innenszenen und nicht danach ins schwindende Licht.
6. Die schweren Tage an die richtige Stelle
Die meisten Regieassistenzen legen den kompliziertesten Tag der Produktion nicht auf Tag eins. Das Team hat noch nicht zusammengearbeitet, und Kamera und Ton finden noch ihren Rhythmus. Stunts, große Komparsentage und emotional schwere Szenen kommen meist später, wenn die Produktion eingespielt ist. Manche Regisseurinnen wollen ihre größten dramatischen Szenen gegen Ende eines Motivblocks, damit die Darsteller schon im Raum gelebt haben. Das besprichst du mit der Regie, denn die Entscheidung liegt dort.
7. Die Last jedes Tages prüfen
Addier die Seiten jedes Tages und schau dir an, was drinsteckt. Vier Seiten mit zwei Leuten, die am Tisch reden, und vier Seiten mit einer Verfolgungsjagd sind nicht derselbe Tag. Zähl bei allem mit Action, Stunts, Effekten, Kindern, Tieren oder vielen Komparsen die Einstellungen und nicht nur die Seiten.
8. Ruhezeiten prüfen
Der Drehschluss eines Tages bestimmt den frühestmöglichen Beginn am nächsten. Darsteller unter dem SAG-AFTRA-Kinovertrag in den USA haben innerhalb der Studiozone 12 Stunden Ruhezeit zwischen Entlassung und nächstem Einsatz, mit einigen Ausnahmen beim Außendreh (SAG-AFTRA). Die Ruhezeiten des Teams hängen vom Tarifvertrag oder vom Einzelvertrag ab. Endet am Freitag ein Außendreh bei Nacht um 4:00 Uhr, kann am Samstag kein Beginn um 6:00 Uhr sein. Der Ruhezeitrechner und Ruhezeitregeln im Vergleich gehen ins Detail.
9. Das Day out of Days erzeugen und die Haltetage bereinigen
Erzeug das DOOD und schau dir jedes H an. Ein H zwischen dem ersten und letzten Drehtag einer Person ist in der Regel ein bezahlter Tag. Wenn das Verschieben eines einzigen Streifens jemandes Drehblock verkürzt, probier es aus. Bei einer langen Lücke kommt ein Drop und Pickup in Frage: Nach den Kinoregeln von SAG-AFTRA muss eine Tagesdarstellerin, die einen festen Pickup-Termin mehr als 10 Kalendertage nach Ende ihrer ersten Beschäftigung bekommt, für die Lücke nicht bezahlt werden, und pro Produktion ist nur eine solche Unterbrechung erlaubt (SAG-AFTRA). Der Leitfaden zum Day out of Days erklärt das ausführlich.
10. Ausweichsets markieren
Für jeden wetterabhängigen Tag nennst du eine Innenszene, die du stattdessen drehen könntest, mit Besetzung und Set in Bereitschaft. Ein Ausweichset, für das man eine Darstellerin braucht, die an dem Tag gar nicht disponiert ist, ist kein echtes Ausweichset.
11. Verteilen, Anmerkungen einholen, festschreiben
Schick einen Entwurf an Regie, Produktion und Abteilungsleitungen. Das Kostüm wird dir sagen, dass ein Kostümwechsel im historischen Film 90 Minuten dauert und nicht 20. Der Location Manager wird dir sagen, dass ihr die Kirche am Sonntag um 15:00 Uhr verlassen haben müsst. Pass den Plan an und gib die festgeschriebene Fassung mit Datum heraus. Danach geht jede Änderung als datierte neue Fassung raus.
Eine durchgerechnete Woche: LOW WATER
LOW WATER ist ein fiktiver Independent-Spielfilm mit 92 4/8 Seiten und 20 Drehtagen bei fünf Tagen pro Woche. Im Schnitt sind das 92,5 ÷ 20 = 4,625 Seiten, also etwa 4 5/8 Seiten pro Tag. So sieht Woche eins nach einigen Durchgängen aus:
| Tag | Motiv | Szenen | Seiten | Darsteller | Hinweise |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Hale House (INT) | 12, 14, 15, 31 | 4 2/8 | 1, 2 | Leichter erster Tag, ein Motiv, zwei Darsteller |
| 2 | Hale House (INT/EXT) | 3, 4, 33, 34, 35 | 5 1/8 | 1, 2, 5 | EXT. VERANDA - TAG zuerst, vor 11:00 Uhr |
| 3 | Hale House (INT) | 52, 53, 54, 71 | 4 6/8 | 1, 2, 3 | Ausweichset für Tag 4 ist Szene 60 |
| 4 | Bootsanleger am Fluss (EXT) | 6, 7, 8, 60 | 3 7/8 | 1, 3, 4 | Boot, Wassersicherheit, 10 Komparsen |
| 5 | Bootsanleger am Fluss (EXT) | 9, 22, 23 | 3 4/8 | 1, 4 | Dämmerungsszene 23, Sonnenuntergang gegen 19:05 Uhr |
Woche eins kommt auf 21 4/8 Seiten, etwas weniger als fünfmal der Durchschnitt von 4 5/8 (23 1/8). Die Lücke ist gewollt: An den Flusstagen gibt es ein Boot, Wassersicherheit und Komparsen, deshalb bekommen sie weniger Seiten, und die Tage im Haus holen einen Teil davon wieder rein. Die restlichen 71 Seiten müssen in 15 Tage passen, also etwa 4 6/8 pro Tag. Hat Woche zwei einen Stunt und ein Schulmotiv mit 40 Komparsen, weiß die Regieassistenz jetzt schon, dass es eng wird.
Achte darauf, was die Gruppierung bewirkt hat. Die Darsteller 1 und 2 sind drei Tage am Stück im Haus. Darsteller 3 fängt an Tag 3 an und dreht an Tag 4 ohne Haltetag weiter. Der erste Umzug der Produktion kommt erst an Tag 4, und er passiert über Nacht und nicht mitten in einem Drehtag.
Wie viel an einen Tag passt
Eine einzig richtige Seitenzahl pro Tag gibt es nicht. Sie hängt vom Budget ab, von der Zahl der Einstellungen, die die Regie plant, von der Zahl der Darsteller, davon, ob es Action gibt, und davon, wie lange jeder Umzug dauert. Serienfolgen schaffen meist mehr Seiten pro Tag als Spielfilme, weil die Drehzeit pro Folge kurz ist und die Auflösung darauf ausgelegt ist. Ein Low-Budget-Spielfilm dreht aus demselben Grund oft schneller als ein Studiofilm: weniger Tage und weniger Einstellungen.
Nimm die Shotlist deiner Regie und das bisherige Tempo, wenn du beides hast. Wenn nicht, plan vorsichtig, schau dir die ersten beiden Drehtage an und pass den Rest des Boards an. Wie viele Drehbuchseiten man an einem Tag schafft geht die Faktoren durch.
Planungsfehler, die Drehtage kosten
Seiten reinstopfen. Ein Plan, der auf dem Papier mit 7 Seiten pro Tag gut aussieht, fällt auseinander, sobald man die tatsächlichen Einstellungen zählt. Der Rückstand wandert weiter, und an Tag vier hängst du eine Szene hinterher.
Den Umzug ignorieren. Zwei Motive an einem Tag heißen packen, fahren, parken, ein neues Set einleuchten und womöglich ein neues Tonproblem. Plan die Zeit ein, als wäre es eine Szene.
Das Board bauen, bevor der Auszug fertig ist. Dann baust du es jedes Mal neu, wenn jemand einen Stunt oder ein Fahrzeug entdeckt.
Nächte in eine Tagwoche mischen. Ein einziger Außendreh bei Nacht am Mittwoch bringt die Ruhezeiten für Donnerstag und Freitag durcheinander.
Vorbereitungs- und drehfreie Tage vergessen. Proben, Kostümproben, Kameratests und Reisetage kosten trotzdem Geld. Sie stehen nicht als Drehtage auf dem Board, gehören aber in den Kalender und, wo sie zutreffen, ins DOOD.
Um Leute herum planen, die noch gar nicht besetzt sind. Solange ein Vertrag nicht unterschrieben ist, ist die Verfügbarkeit geraten. Bau das Board auf bekannten Vorgaben auf und markier die, die du nur annimmst.
Mehr zu jedem dieser Punkte in Fehler im Drehplan.
Wo der Drehplan auf die Kalkulation trifft
Drehplan und Kalkulation hängen an denselben Zahlen. Das Team wird pro Tag oder Woche bezahlt, Technik wird pro Tag oder Woche gemietet, Motive kosten pro Tag, und Catering wird pro Kopf und Tag berechnet. Jeder Tag, der aufs Board kommt, bringt all diese Kosten mit, jeder gestrichene Tag nimmt sie wieder weg.
Ein Beispiel mit ausgedachten Zahlen aus einer kleinen Independent-Produktion: Kostet die Teamgage mit Nebenkosten 18.000 $ pro Tag, die Technik 3.500 $, das Motiv 1.500 $ und Catering mit Snacks für 40 Personen 1.200 $, dann kostet ein Drehtag etwa 24.200 $, bevor irgendetwas anderes dazukommt. Kannst du durch Umbauen des Boards in 19 statt 20 Tagen fertig werden, sind das grob 24.200 $ weniger, sofern dafür keine Überstunden anfallen. Bei einem Wochenpreis für die Technik spart man dort womöglich gar nichts. Deshalb sollte die Produktionsleitung jede solche Änderung prüfen, bevor du sie zusagst.
Das gilt auch umgekehrt. Will die Produktion eine Szene ergänzen, lautet die Frage, an welchen Tag sie kommt und was dieser Tag dafür verliert. Wie aus Tagen Kalkulationsposten werden, erklärt der Leitfaden zur Produktionskalkulation.
Den Drehplan aktuell halten
Sobald gedreht wird, ändert sich der Plan. Eine Darstellerin wird krank, ein Motiv fällt weg, Regen spült einen Außendreh weg, die Regie ergänzt eine Szene. Die Regieassistenz geht jedes Mal gleich vor: Board ändern, DOOD neu erzeugen, Ruhezeiten und Umzüge prüfen, dann eine datierte neue Fassung herausgeben. Viele Produktionen färben ihre Drehplanfassungen wie die Drehbuchfassungen, damit ein blauer Plan sofort als neuer erkennbar ist als ein weißer.
Ein paar Gewohnheiten helfen:
- Eine Person verantwortet das Board, meist die 1. Regieassistenz, damit es nur eine aktuelle Fassung gibt.
- Jede neue Fassung sagt oben, was sich geändert hat, etwa "Sz. 60 von Tag 11 auf Tag 4 verlegt (Wetterausweiche)".
- Die Dispo wird immer aus der neuesten Fassung gebaut. Die 2. Regieassistenz prüft das Datum der Fassung, bevor sie mit der Dispo für morgen anfängt.
- Sag Casting und Filmgeschäftsführung Bescheid, wenn sich der erste oder letzte Drehtag einer Person verschiebt, weil sich dadurch ihre Bezahlung ändert.
Das Board in Storiara bauen
In Storiara lädst du ein Drehbuch als PDF, Word- oder Final-Draft-Datei hoch. Die App teilt es anhand der Überschriften in Szenen und zieht mit KI Figuren, Motive, Requisiten, Kostüme sowie Musik und Effekte heraus. Die Seitenlängen in Achteln kommen aus dem PDF-Layout und lassen sich bearbeiten. Szenen und Tagestrenner schiebst du dann selbst auf dem Stripboard hin und her, die Reihenfolge legt die App nicht für dich fest. Sie verhindert Verschiebungen, die einen Tag über die eingestellte Länge bringen würden, und zeigt die Verfügbarkeit von Besetzung, Team und Motiven für den Tag, an dem du gerade arbeitest. Die Day-out-of-Days-Ansicht füllt die Darstellercodes aus dem Drehplan, und die Dispos entstehen aus jedem geplanten Drehtag. Mehr dazu unter Drehplanung in Storiara.
