Diese Shotlist gehört zu Tag 4 von SALT FLATS, einem unabhängigen Spielfilm mit 12 Drehtagen. Es ist derselbe Tag wie in der Vorlage für die Tagesdisposition: vormittags zwei Szenen auf einem Schrottplatz, in der Mittagspause ein Umzug, nachmittags zwei Szenen in einem Diner. Geplant sind 21 Einstellungen. Der Tagesbericht desselben Tages verzeichnet 20 abgedrehte, das Insert mit der Dienstmarke (17E) ist offen.
Im deutschsprachigen Raum sagt man meist Shotlist. Wer mit der Regie am Drehbuch sitzt, spricht oft auch von der Auflösung, gemeint ist in beiden Fällen die Liste der geplanten Einstellungen.
Wofür die Spalten da sind
Einst. ist die Nummer der Einstellung, gebildet aus Szenennummer und Buchstabe. Dieselbe Nummer steht auf der Klappe und in den Notizen des Scripts. Wer im Schnitt "die Ranfahrt auf Hollis" sucht, findet also 13D. Viele Script Supervisors lassen I und O aus, damit niemand sie als 1 und 0 liest.
Größe, Perspektive und Bewegung beschreiben das Bild. Nimm kurze, gängige Begriffe (Totale, Nah, OTS, Untersicht, Handkamera) und lass die Legende unten auf dem Blatt für neue Leute stehen. Objektiv ist die Brennweite, die die Bildgestaltung einplant. Daran sieht die Kameraassistenz, was sie bereitlegen muss, und die Bühne, wie weit hinten die Kamera stehen wird.
Motiv und Handlung ist eine Zeile: wer im Bild ist und was passiert. Unter Darsteller stehen die Rollennummern im Bild, und genau das braucht die 2. Regieassistenz, um Leute zu entlassen. Ton heißt Ton oder Stumm, daran sieht die Tonmeisterin, ob sie mitlaufen lässt.
Min. geschätzt ist die Planungsspalte. Addiere sie und vergleich die Summe mit den Stunden, die du hast. In die Hinweise kommt alles, was die Art der Einstellung ändert: Licht umbauen, ein Rig, eine Requisite mit Doubletten oder wer danach nach Hause darf.
Die Liste für Tag 4, Einstellung für Einstellung
- Geh von den Szenen im Drehplan des Tages und der Drehreihenfolge aus, die die 1. Regieassistenz festgelegt hat. An Tag 4 ist das 13, 12, 17, 16.
- Schreib bei jeder Szene zuerst den Master auf und dann die Auflösung in der Reihenfolge, in der gedreht wird, und nicht in der Reihenfolge des Schnitts.
- Gruppier die Auflösung nach Blickrichtung. Dreh alles in eine Richtung, bevor die Kamera umgesetzt wird, und vermerk den Gegenschuss in den Hinweisen. In Szene 13 dreht die Kamera erst Richtung Hollis (13B) und setzt dann auf June um (13C).
- Füll Größe, Perspektive, Bewegung und Objektiv mit der Bildgestaltung aus. Nimm die Objektivspalte ernst. Ist das Büro für 13A mit einem 21mm zu klein, willst du das bei der technischen Motivbesichtigung merken.
- Trag bei jeder Einstellung die Darsteller mit Nummer ein und markier die Einstellung, nach der jemand gehen kann. Hollis ist nach 12D fertig, Pace nach 17D, Bev nach 16D.
- Markier Ton oder Stumm. Inserts sind meist stumm.
- Schätz die Minuten. In den ersten Einstellungen steckt das Einleuchten, deshalb sind sie am längsten. Weitere Einstellungen in derselben Richtung sind kürzer.
- Addiere die Zeit pro Motiv und vergleich sie mit der Dispo. Die Einstellungen auf dem Schrottplatz kommen auf 205 Minuten bei einem Vormittag von 285 Minuten (8:00 bis 12:45 Uhr). Bleiben 80 Minuten für Proben, Stellproben und Probleme. Im Diner sind es 155 Minuten, und der Nachmittag von der ersten Einstellung um 14:50 Uhr bis Drehschluss um 19:00 Uhr hat 250 Minuten.
- Markier Einstellungen, die rausfliegen, wenn der Tag überzieht. 17E (das Insert mit der Dienstmarke) lässt sich später mit der Hand eines Doubles nachdrehen und ist deshalb als Erstes dran.
- Schick die fertige Liste am Vorabend an 1. Regieassistenz, Script, Kamera, Ton und 2. Regieassistenz.
Dazu kommt eine schnelle Plausibilitätsprüfung über die Seiten. Tag 4 plant 21 Einstellungen für 6 7/8 Seiten, also etwa drei Einstellungen pro Seite. Laut Tagesbericht hat das Team an den Tagen 1 bis 3 für 18 Seiten 58 Einstellungen geschafft, ungefähr dasselbe Verhältnis. Der Plan passt also zu dem, was dieses Team tatsächlich leistet. Wäre ein Tag mit dem doppelten Tempo geplant, müsste man mit der Regie reden, bevor die Dispo rausgeht.
Fehler, die den Tag kosten
Einstellungen in Schnittreihenfolge auflisten. Stünde 13C (Junes OTS) direkt nach dem Master, würde das Team für June leuchten, für Hollis umsetzen und dann für ihre Großaufnahme wieder zurück. Das Licht würde zweimal umgebaut, wo ein Gegenschuss gereicht hätte.
Keine Entlasspunkte. Ohne sie hält die 2. Regieassistenz Darsteller länger als nötig. An Tag 4 hieße das, Curtis Vail fürs Warten zu bezahlen, obwohl seine Großaufnahme schon im Kasten ist.
Zeitschätzungen, die davon ausgehen, dass jeder Take sitzt. In der Schätzung für 13D steckt eine Fahrt auf dem Slider, und Sliderfahrten brauchen zusätzliche Takes. Gib jeder Einstellung mit Bewegung einen Puffer.
Inserts, für die man die Hände einer Hauptrolle braucht. Braucht das Insert mit Paces Dienstmarke Curtis Vail selbst, kannst du ihn nach 17D nicht entlassen. Auf dieser Liste springt ein Double ein, und der Hinweis sagt das.
Die Grenzen des Motivs vergessen. Die Schrottpresse bei Hardesty Salvage läuft ab 12:30 Uhr wieder, der gesamte Originalton auf dem Hof muss also vorher fertig sein. Schreib das in die Hinweise, wo das Kamerateam es sieht.
Von der Shotlist über die Klappe zum Tagesbericht
Die Shotlist entsteht aus den Szenen im Drehplan, und Zahl und Dauer der Einstellungen werden mit der Dispo abgeglichen. Szenen mit Stunts oder schwieriger räumlicher Anordnung bekommen zusätzlich ein Storyboard. Bei SALT FLATS gibt es für den Kampf in Szene 39 beides. Am Drehtag trägt die 2. Regieassistenz die abgedrehten Einstellungen in den Tagesbericht ein, und das Script protokolliert jede Einstellung gegen das Drehbuch.
Shotlists in Storiara
Das Shotlist-Modul in Storiara arbeitet mit freigegebenen Szenen. Für jede Szene legst du Einstellungen an und wählst Größe (Totale, Nah, Groß), Kameraperspektive und Bewegung (statisch, Schwenk, Dolly). Weil die Einstellungen an freigegebenen Szenen hängen, folgt die Liste dem importierten Drehbuch. Die Shotlist-Dokumentation erklärt die Schritte.
